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Samstag, 27. Mai 2017

Mit der Reformation begann die Bildung

Pfarrer als Lehrer und Chronisten

Die Geschichte der Kirchengemeinde Mühlhausen hat umfassend Pfarrer Albert Wilhelm Nietzki (1891 – 1909, danach Dompfarrer von Königsberg) in der Chronik von 1910 aufgezeichnet. Von ihm stammt auch die zum 400. Jahrestag der Reformation verfasste Schrift „Martin Luther und wir Ostpreußen“ (1917), in der Mühlhausen mehrfach erwähnt wird. Bereits zuvor hatte Pfarrer Gottfried Puechel (andere Namenswiedergabe „Pechüle“; 1724 - 1731) die Kirche beschrieben und vor allem die Geschichte der Patronatsfamilien festgehalten.

Nietzki berichtet, dass 1610 in der Kirchenrechnung von Mühlhausen ein Schulmeister Laurentius erwähnt werde. Wahrscheinlich sei bald nach Einführung der Reformation im Dorf eine Kirchschule begründet worden, die vor allem den lutherischen Katechismus zu verbreiten und die Kinder im Lesen zu unterrichten hatte. Georg von Kunheim d. J. hatte bereits ca. 1570 einen alten Schulmeister bei sich in Knauten aufgenommen. 1644 erhielt die Kirche ihren ersten Organisten.

 Im Bericht über eine Kirchenvisitation im Jahr 1700 wird allerdings festgehalten, dass die Leute kaum Kenntnisse des Katechismus hätten und „auch nicht recht bethen noch die Beichte sagen“ könnten und dass die Jugend nur im Winter kurze Zeit zur Schule komme, im Sommer dagegen zuhause die Pferde und die Gänse hüten müsse. Dem Pfarrer wurde im einzelnen aufgetragen, für Besserung zu sorgen. Auch sollte er veranlassen, dass in dem abgelegenen Vierzighuben „ein eigener Schulmeister gehalten werde“. 1702 vermerkt die Visitation positiv: „Brandtwein-Schank wird in Mühlhausen nicht in der Schule, sondern im Kruge gehalten“.

Im 18. Jahrhundert setzte sich das Gehalt des Lehrers aus ganz unterschiedlichen Positionen zusammen: er erhielt Naturalien wie Korn, Heu und Stroh sowie Schulgeld, unterschieden nach Cöllmischen, bäuerlichen und adlig Untertan-Kindern, schließlich einen Teil aus dem Kirchenfonds; daneben freie Wohnung, einen Garten, Brennholz und Befreiung von allen öffentlichen Lasten. All dies reichte zur Ernährung einer Familie nicht aus, daher betrieben die Lehrer üblicherweise als Hauptberuf ein Handwerk.

In Mühlhausen befand sich die Schule neben dem großen Kantorhaus westlich der Kirche. Zu dem Amt des Kantors, das immer der Lehrer einnahm, gehörte ein kleines Gehöft mit zehn Hektar Land. Die Stallungen und die Scheunen wurden 1907 gebaut bzw. erneuert.

Im Jahr 1807 kam Samuel Traugott Milsch aus Brieg in Schlesien als Pfarrer nach  Mühlhausen. Er nahm sich des Schulwesens sehr energisch an. Er bereitete selbst begabte Kinder, die er in sein Haus aufnahm, für den Lehrerberuf vor und gründete dann in dem Pfarrwitwenhaus ein Lehrerseminar, in dem er bis zu 15 junge Leute unterrichtete. Er hatte damit guten Erfolg, und das Lehrerseminar erhielt 1811 amtlichen Status (Nietzki, Chronik, S. 109). Das Seminar wurde 1834 zusammen mit dem Lehrerseminar von Klein-Dexen in die Kreishauptstadt  Preußisch Eylau verlegt.

Rückblickend hält Nietzki (Chronik, S. 112) fest, wie fruchtbar die Zusammenarbeit von Kirche und Schule auch noch in seiner eigenen Zeit (1891 – 1909) als Pfarrer in Mühlhausen war.

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