Sie sind hier: Die Kirche / Reiche Ausstattung
Dienstag, 25. April 2017
Blick auf die Orgelempore
Blick zum Altar 1926 Messbildstelle

Reiche Ausstattung

Die Kirche Mühlhausen hatte den Ruf als die schönste Landkirche Natangens und vielleicht ganz Ostpreußens. Ihre gesamte Inneneinrichtung war wie aus einem Guss in den Jahren 1693 bis 1698 von dem Holzbildhauer Isaak Riga und dem Maler Gottfried Hinz, beide Königsberger Handwerker, ausgeführt worden. Die Rechnungen lagen bis 1945 noch vor. Meister Riga hatte 400 Taler, zehn Scheffel Roggen und einen fetten Ochsen erhalten, während Meister Hinz 1.000 Taler und die gleichen Naturalien bekam.

An der Ostwand, der Südwand und der Westwand sind Reste der mittelalterlichen Wandmalereien erhalten, an letzterer ein großes, das Bogenfeld füllendes „Jüngstes Gericht“. Dieses war erst 1907 wieder freigelegt und restauriert worden, nachdem es übertüncht und die übliche Orgel davorgesetzt war. Ein besonderes Schmuckstück stellte die Bemalung der Holztonnendecken von Langhaus und Chor durch Hinz dar. Sie gab Szenen aus der Heiligen Schrift, dominiert von der Offenbarung Johannes, wieder und bildete, vom Altar bis zur Orgel, in einem mittleren, nördlichen und südlichen Teil, ein fortlaufendes Ganzes. Dieses wurde bei der Renovierung 1839 unterbrochen, als die schadhaft gewordenen Deckenbretter im Langhaus komplett ausgewechselt wurden. Der Küster erhielt sie als Brennholz. Die heute an der Chordecke befindliche Malerei sowie das Bogenfeld an der Westwand, beide in jüngster Zeit restauriert ("Die Restauration"), sind die einzigen Reste der früheren Innenausstattung. Denn die gesamte hölzerne Einrichtung ist nach Kriegsende verschwunden ("Zweckentfremdung"). Siehe auch die Aufnahmen aus dem Jahr 1943 (http://www.zi.fotothek.org).

Die Fotos geben einen Eindruck von der damaligen Ausstattung, die in der Chronik von Nietzki vollständig aufgeführt ist, hier aber nur andeutungsweise wiedergegeben werden kann: Das Langhaus trug auf der Nordwand eine hölzerne Empore, die sich auf der Westwand als Orgelempore fortsetzte. Der Altar auf gotischem Tisch hatte prächtige Schranken, die Kanzel, von Engeln getragen, wies das Gleichnis der klugen und törichten Jungfrauen auf. Die Taufkammer hatte reiches, freigeschnitztes Rankenwerk, im Innern war die Leinwandbespannung mit Darstellungen bemalt, die sich auf die Taufe bezogen. Der Beichtstuhl wurde noch 1907 umfassend renoviert. Die Kirchentüren waren mit Sinnbildern aus der Zeit des Pietismus bemalt. Die Sakristeitür zierte das Relief des reuigen Petrus. Die Holzteile der Einrichtung trugen noch bis 1945 weitgehend die Bemalung und die Blattvergoldungen des Meisters Hinz.

Die Kirche war neben den Emporen und Gutsständen auch sonst überreichlich ausgestattet. Zu den kostbarsten Stücken gehörten die lebensgroßen Porträts Martin Luthers und seiner Tochter Margarete, letzteres von Lucas Cranach d. J. Bei ersterem ist nicht klar, ob es aus derselben Werkstatt oder derjenigen von Lucas Cranach d. Ä. stammte. Beide Bilder sowie dasjenige des Georg von Kunheim d. J. von 1907 verschwanden 1945 spurlos, wie die allermeisten beweglichen Stücke, zu denen weitere Bilder, Trauerfahnen, Epitaphe und Wappen der Patronatsfamilien sowie auch die drei Glocken gehörten. Das Geläut war 1894 teilweise durch Umguss mit den Tönen e, gis und h neu zusammengestellt worden. Zum 400. Geburtstag der Margarete von Kunheim am 5.8.1935 war eine neue „Margarete-Luther-Glocke“ geweiht worden. Der Reichssender Königsberg berichtete dazu aus dem Leben Margaretes und von der Kirchengemeinde.

Die drei in Nietzkis Chronik aufgeführten Grabsteine wurden zu Beginn der 90er Jahre, teils in viele Stücke zerbrochen, vorgefunden. Sie sind inzwischen restauriert ("Die Restauration"). Es sind die Epitaphe: der Brüder Rufus und Christoph von Glaubitz (in der Vorhalle), der Dorothea von Ölsnitz und des Erhard von Kunheim (im Langhaus). Siehe "Die Kirchenpatrone".

 

Die Inschriften auf den Steinen lauten (nach Nietzki, Chronik, teilweise der modernen Sprache angepasst):

1.        Dorothea von Ölsnitz:

TU PATRIAM REPETENS TRISTI NOS ORBE RELINQUIS
TE TENET AULA NITENS NOS LACRIMOSA DIES.
UXORI CHARISSIMAE
GEORGIUS A KUNHEIM SENIOR F.F.

Dies heißt in Deutsch:
„Du kehrst wieder ins Reich des Vaters und lässt uns auf der Erde traurig zurück. Du sitzest im strahlenden Palast und wir im bejammernswerten Alltag.
Der allerliebsten Gattin Georg von Kunheim Senior F. F.“

Darüber finden wir die Aufschrift:

Anno 1602 ist die edle und vieltugendsame Frau Dorothea Kunheimin geb. Ölschnitz im Herrn Christo seliglich entschlafen und liegt unter diesem Stein begraben

2.      Erhard von Kunheim d. J.

Aufschrift:
Im Jahr Christi unseres Seligmachers 16 . .  den . . . . ist der Edle gestrenge ehrenveste Erhard von Kunheim der Jüngere, Erbsaß auf Mühlhausen, Perquicken, Sußainen dieser Kirche Patronus in Erkenntniß seines Heilandes Christi selig entschlafen.
Anmerkung: Das Datum ist nicht eingetragen, weil die Grabplatte zu seinen Lebzeiten gefertigt wurde.

Umschrift: In Christo sterb ich williglich, mit Christo wird begraben ich
Mit Christo wieder ich leben wird und auferstehn von dieser Erd

Der Grabstein Christum nicht aufhielt, Ein Herr aufsteh’nd des Lebens mild.
Dieser Stein auch mich nicht halten wird, wenn wecken wird mein Seelenhirt.

 

3.      Die Brüder von Glaubitz:

Anno 1603 den 16. July ist der Edle Ehr und Veste Ruffus Glaubitz im Herrn selig entschlafen. Anno 1602 den 12. Januar ist der Edle Ehr und Veste Christoph Glaubitz in Gott entschlafen. Gott verleihe ihm eine fröhliche Auferstehung.

 

Vor der neuesten Instandsetzung (seit 1993) war die Kirche um 1500 und 1695 sowie in den Jahren 1839 und 1907 restauriert worden. Erwähnt werden muss auch die Instandsetzung nach den napoleonischen Kriegen, zu der die Gemeinde in einer Sammlung die hohe Summe von 500 Talern aufbrachte.  

Zurück