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Samstag, 27. Mai 2017

Margarete von Kunheim, geb. Luther

Der Herzog nahm den verwaisten Knaben (Georg von Kunheim der Jüngere, 1532 – 1611) nach Königsberg, ließ ihn dort die höhere Schule besuchen und schickte ihn 1550 zum weiteren theologischen und juristischen Studium nach Wittenberg, wo er ihn Philipp Melanchthon empfahl. In dessen Haus lernte der junge Georg die jüngste Tochter Luthers Margarete (1534 – 1570) kennen, die dort nach dem Tod ihrer Mutter als Waise bei ihrem Vormund lebte. Die jungen Leute verlobten sich 1554 öffentlich. Georg bat seine Vormünder in Preußen um ihre Zustimmung zur Heirat. Diese lehnten ab, die Verbindung sei nicht standesgemäß. Der Herzog bat sogar Melanchthon, den Jüngling umzustimmen.

Aber Melanchthon tat das Gegenteil: Er setzte sich beim Herzog für das bedrohte Liebesglück ein und schrieb nach Preußen. Erst der zweite Brief des auch in Preußen geachteten Reformators, der das persönliche Ansehen des jungen Paars höher stellte als adliges Standesdenken, konnte die Widerstände beseitigen. Im Jahr 1555 fand in Wittenberg die Hochzeit statt. Die Briefe Melanchthons sind erhalten.

So wurde Margarete, das jüngste Kind Martin Luthers, dem zuliebe er das Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ gedichtet hatte, Patronin der Kirche Mühlhausen. Sie wurde dieser Aufgabe mit großer Verantwortung gerecht und war darüber hinaus eine tüchtige Gutsfrau. Dem Ehepaar wurden neun Kinder geboren, sechs davon starben schon früh. Nach 15 glücklichen Ehejahren starb Margarete, erst 36-jährig. Sie fand mit fünf Ihrer Kinder ihre letzte Ruhestätte in der Gruft der Kirche.

Ihr Bruder, Hans Luther, der in Königsberg lebte und dort in Staatsdiensten tätig war, hatte sich oft bei seiner Schwester Margarete in Knauten aufgehalten.

Georg von Kunheim d. J. heiratete in zweiter Ehe Dorothea von Oelsnitz. Er hatte, gleich seinem Vater, vom Herzog mehrere Ämter erhalten. Er wurde Landrat, Landrichter und Kastenherr (der „Kasten“ war die ständische Steuerkasse in den Kreisen), später auch Amtshauptmann über das Amt Bartenstein. In seinem Todesjahr 1611 vermachte er einen großen Teil seiner Bibliothek der Kirche Mühlhausen. Darunter befanden sich Ausgaben aller Werke Luthers in deutscher und lateinischer Sprache aus dem 16. Jahrhundert, eine Ausgabe von Luthers Übersetzung des Neuen Testaments und anderes wertvolles Schriftgut aus der Reformationszeit. Noch im Jahr 1910 enthielt die Bibliothek ferner Faksimiles der Vorladung und des Geleitbriefs Luthers zum Reichstag nach Worms sowie eines Lutherbriefs. Weitere religiöse Schriften kamen als Geschenk des Pfarrers Jungius (1747 – 1777) hinzu. 1945 wurde die Bibliothek wie die gesamte Inneneinrichtung der Kirche vernichtet. Die wertvollsten Stücke waren jedoch ins Königsberger Staatsarchiv gelangt und konnten damit gerettet werden.

Der Sohn Georgs von Kunheim d. J., Erhard (aus der Ehe mit Dorothea von Ölsnitz, 1577 – 1643), der das Patronat 1622 übernahm, stiftete neue Kirchenfenster, ließ die Sakristei ausbauen und eine neue Kanzel errichten. Er schenkte der Kirche zwei lebensgroße Porträts Luthers und seiner Tochter Margarete, gemalt von Lucas Cranach d. J. Von den Bildern fehlt seit 1945 jede Spur.

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