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Donnerstag, 23. März 2017

Preußische Rebellen gegen Brandenburg

Im Jahr 1647 gingen die Besitzungen von Knauten und Mühlhausen an das Adelsgeschlecht von Kalckstein über. Preußen war inzwischen durch Erbfolge an das Haus Brandenburg gefallen, das der damaligen Zeit gemäß mit den Landständen (dem Adel und den Städten) um die absolute Herrschaft kämpfte. Der aus unterschiedlichen Teilen zusammengesetzte Staat sollte einheitlich und straff regiert werden können.

Zwei Vertreter derer von Kalckstein, Gutsherren auf Knauten und Patrone der Kirche Mühlhausen, waren Wortführer eines Teils des preußischen Adels, der seine bisherigen Rechte und Freiheiten nicht aufgeben wollte und daher mit der weit weniger abhängigen Position seiner Standesgenossen im benachbarten Königreich Polen liebäugelte. Im Gegensatz zu Brandenburg/Preußen entwickelte sich Polen/Litauen zu der Zeit immer mehr auf eine Adelsrepublik hin. Es waren Albrecht (1592 – 1667) und vor allem sein Sohn Christian Ludwig von Kalckstein (1627 – 1672), die mit allen Kräften gegen den Großen Kurfürsten (1620/1640 – 1688) opponierten. Dieser war seinerseits in der Wahl der Mittel zur Durchsetzung des Absolutismus nicht zimperlich. Christian Ludwig wurde, angezeigt von seinem Bruder Christoph Albrecht, wegen Hochverrats zunächst zu milden 5.000 Talern Strafe verurteilt. Er verweigerte jedoch die Zahlung und floh nach Polen, wo er den König zum Eingreifen in Preußen zu gewinnen suchte. Der Kurfürst ließ ihn unter Bruch des Völkerrechts aus Warschau entführen. In der Festung Memel wurde er zum Tode verurteilt und, am 8.11.1672, enthauptet.

Die Güter gingen nun an seinen Bruder Christoph Albrecht. Dieser begann, die Kirche prächtig auszustatten. Er beauftragte hiermit den Holzbildhauer Isaak Riga und den Maler Gottfried Hinz, beide aus Königsberg. Das Gotteshaus wurde zu einer der schönsten Dorfkirchen Ostpreußens. Siehe "Die Kirche", "Reiche Ausstattung".

Die Kalcksteins, die das Patronat bis zum Jahre 1800 innehatten, blieben Leute von Bedeutung und Ansehen. Ein Christoph Wilhelm von Kalckstein, Generalfeldmarschall, war Erzieher Friedrichs des Großen.

Danach ging das Patronat in weiblicher Erbfolge an die Familien Graf von Dankelmann und von Rothkirch über. Es folgten die Familien Graf Kleist von Nollendorf und, in weiblicher Erbfolge, von Wulffen und von Boddien. Alle Patrone, meistens in hohen Staatsstellungen und wohlhabend, sorgten in vorbildlicher Weise für ihre Kirche und machten sie zu einem Kleinod Natangens.

Die letzte Patronin war Frau Gottliebe von Boddien, geborene von Wulffen, genannt Küchmeister von Sternberg (1846 – 1942). Ihr Schwiegersohn war der bekannte Generalfeldmarschall von Bock. An der „großen Renovierung“ der Kirche und des Kantorhauses 1906/1907 beteiligte sie sich mit erheblichen Mitteln.

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