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Samstag, 27. Mai 2017

Zweckentfremdung

Der Zweite Weltkrieg hatte durch Granateneinschlag Ende Januar 1945 nur leichte Beschädigungen am westlichen Turmgiebel hinterlassen. In der Folgezeit wurde die Kirche von der örtlichen Sowchose als Mehrzweckhalle, vor allem als Speicher, benutzt. Diesem Umstand ist die Erhaltung des Bauwerks wenigstens in seiner äußeren Substanz zu verdanken. Andere Kirchen sind inzwischen – ohne Kriegseinwirkungen – völlig verfallen ("Der Förderkreis").

Die Inneneinrichtung ("Reiche Ausstattung") wurde auf Anweisung der Kommandantur von den Deutschen ausgeräumt. Die Bänke gingen als Brennholz zur Bäckerei, während alles Übrige auf Lastwagen mit unbekanntem Ziel abtransportiert wurde. Alles Übrige, das heißt: Altar, Orgel, Kanzel, Taufkammer, Beichtstuhl, Wandtafeln, Bilder und - die ganze Empore. In die Mauer der Südseite brach man ein Tor für Fahrzeuge, die Öffnung wurde durch einen T-Träger gestützt. Der Boden der Kirche wurde im Laufe der Jahre in mehreren Schichten, bis zu einem halben Meter mit Asphalt ausgegossen, der Kirchhof vor der Einfahrt ebenfalls mit Asphalt befestigt, im übrigen verwüstet und als Anfahrt- und Lagerfläche genutzt. Der Staub der Getreidelagerung und –verarbeitung, der Umgang mit Kunstdünger und Pflanzenschutzmitteln sowie zeitweise auch Viehhaltung in der Kirche wirkten sich schädlich auf das Mauerwerk und vor allem auf die Malereien an den Wänden und der Decke aus.

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